Trabi-Treck nach Westen
In den Tagen darauf machen sich mehrere Millionen DDR-Bürger in
ihren „Trabis“ und „Wartburgs“ auf in Richtung Westen – viele von ihnen
fahren zum ersten Mal in ihrem Leben in die Bundesrepublik, besuchen Verwandte,
besichtigen Städte und Landschaften – und auch die „Einkaufsparadiese“,
mit 100 DM „Begrüßungsgeld“ aus der Bundesrepublik in der Tasche.
Was war geschehen? Am 9. November, kurz vor 19 Uhr hatte Günter
Schabowski, Mitglied des SED-Politbüros, auf einer internationalen
Pressekonferenz vor laufenden Kameras stockend eine neue, freizügige
Ausreiseregelung bekannt gegeben. Auf eine Nachfrage erklärte Schabowski,
dies trete nach seiner Kenntnis „sofort, unverzüglich“ in Kraft. Diese
Nachricht war von der DDR-Regierung so gar nicht autorisiert, verbreitete
sich nun aber blitzartig in der ganzen DDR und löste die Öffnung
der Grenzübergänge in Berlin aus: Die Mauer fiel.
Vorausgegangen waren dem historischen Datum Massenfluchten aus der DDR
im Sommer 1989 (über Ungarn und die Tschechoslowakei) und eindrucksvolle
Demonstrationen der Oppositionsbewegung innerhalb der DDR, in der die Bürgerrechtler
ihre Kritik und ihre Forderungen erstmals öffentlich machten, zum
Beispiel in den „Montagsdemonstrationen“ in Leipzig. Beides brachte die
DDR-Strukturen ins Wanken. Zudem wurde schnell klar, dass die Sowjetunion
diesmal – anders als 1956 in Ungarn, 1968 in Prag oder 1980 in Polen –
kein Interesse an einer gewaltsamen Unterdrückung der Protestaktionen
hatte.
Die „sanfte Revolution“ bewirkte eine Art Lähmung der DDR-Staatsorgane.
Der Rücktritt Erich Honeckers, des langjährigen Generalsekretärs
der SED und Staatsratsvorsitzenden, am 18. Oktober 1989 leitete dann das
Ende des SED-Regimes ein. Der Zusammenbruch der DDR und die deutsche Wiedervereinigung
elf Monate später, am 3. Oktober 1990, wären indes ohne die Veränderungen
in der Sowjetunion seit Mitte der 80er Jahre kaum denkbar gewesen. Um die
UdSSR zu modernisieren, hatte Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow
auf umfassende Reformen gesetzt. Gorbatschow verzichtete auch auf die sowjetische
Vorherrschaft über den Ostblock und strebte eine stärkere Kooperation
mit dem Westen an. Vor allem Polen und Ungarn nutzten die neuen Möglichkeiten.
Im Mai 1989 waren es die Ungarn, die begannen, ein Loch in den „Eisernen
Vorhang“ zu schneiden. Die vollständige Öffnung der ungarischen
Grenze zum Westen folgte am 11. September 1989.
Mit dem friedlichen Umsturz in der DDR rückte die Wiedervereinigung
beider deutscher Staaten näher – was viele nicht mehr für möglich
gehalten hatten. Zunächst aber fanden am 18. März 1990 in der
DDR zum ersten Mal freie Wahlen zur Volkskammer statt. Themen im Wahlkampf
waren vor allem Modus und Tempo der angestrebten Einheit mit Westdeutschland.
Am 18. Mai 1990 wurde der Vertrag über die Wirtschafts,-Währungs-
und Sozialunion unterzeichnet. Weil das Wirtschaftssystem der DDR eine
Reform nicht mehr zuließ, übernahm die DDR am 1. Juli 1990 das
Wirtschaftssystem der Bundesrepublik. We-nig später begannen in Berlin
die Beratungen über den Einigungsvertrag. Noch vor deren Ende beschloss
die Volkskammer am 23. August 1990 den Beitritt der DDR zum Geltungsbereich
des Grundgesetzes am 3. Oktober 1990. Aufgrund der Rechte und Verantwortlichkeiten
der vier Siegermächte des Zweiten Weltkrieges für Deutschland
als Ganzes und Berlin war eine Wiedervereinigung ohne deren Zustimmung
nicht möglich.
Die neue Einheit
Die Siegermächte einigten sich im Februar 1990 auf gemeinsame Verhandlungen
mit den beiden deutschen Staaten: Im „Vertrag über die abschließenden
Regelungen in Bezug auf Deutschland“ vom 12. September 1990 wurden dann
die völkerrechtlichen Aspekte der Wiedervereinigung geregelt. Deutschland
erhielt damit auch wieder seine volle Souveränität zurück.
In der Nacht zum 3. Oktober 1990 feierten Tausende Menschen vor dem Reichstagsgebäude
in Berlin den Beitritt der DDR zum Bundesgebiet. Damit war die staatliche
Einheit Deutschlands nach mehr als vier Jahrzehnten wiederhergestellt.
26.07.2004
http://www.magazine-deutschland.de/issue/Essays_4_04_Mauerfall.php
Links
http://www.dhm.de/lemo/html/DieDeutscheEinheit/DerFallDerMauer/index.html
Fall der Mauer Geschichte des Mauerfalls und der deutschen Wiedervereinigung
(„Lebendiges Museum“ des Deutschen Historischen Museums, in Deutsch)
http://www.hdg.de/
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